Coaching für Geschäftsführer.
Fünf Anlässe, die es lohnen
Manfred Buxbaum
Kein Geschäftsführer sucht einen Coach, weil alles läuft. Er sucht ihn, wenn etwas kippt und niemand im Haus der richtige Gesprächspartner ist. Fünf Anlässe kommen in meiner Praxis immer wieder vor. Für jeden beschreibe ich, woran du ihn erkennst, was Coaching dort tut und was du vorher selbst tun kannst.
Woran du es erkennst. Du bist seit Wochen Geschäftsführer, aber dein Kalender sieht aus wie der des Vertriebsleiters. Du sitzt in Terminen, die dein Nachfolger führen sollte. Entscheidungen, die nur du treffen kannst, warten. Oder umgekehrt: Du wurdest von außen geholt, und das Team testet, ob du es ernst meinst.
Was Coaching tut. Es trennt die alte Rolle sauber von der neuen. Welche Aufgaben gibst du ab, wer trägt sie, wie sagst du es? Und es klärt die Frage dahinter: Wer bist du, wenn du nicht mehr der bist, der es selbst am besten kann? Mehr dazu im Beitrag Vom Kollegen zur Führungskraft.
Was du selbst tun kannst. Schreib eine Woche lang auf, womit du deine Zeit verbringst. Markiere alles, was jemand anderes tun könnte. Gib davon bis Monatsende drei Dinge ab.
Woran du es erkennst. Du weißt seit Monaten, dass eine Person nicht passt. Du hast das Gespräch dreimal verschoben. Jede Verschiebung hatte einen guten Grund: Projekt, Urlaub, Weihnachten. Das Team hat längst gemerkt, dass du nicht handelst, und zieht seine Schlüsse.
Was Coaching tut. Es prüft zuerst, ob die Entscheidung wirklich gefallen ist oder ob du sie noch vermeidest. Dann bereitet es das Gespräch vor: Botschaft, Ablauf, Reaktionen, das Team danach. Und es gibt Raum für das, was du nach dem Gespräch mit dir herumträgst. Wer entlässt, trauert auch. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag.
Was du selbst tun kannst. Schreib in drei Sätzen auf, warum die Trennung nötig ist. Wenn du das nicht kannst, ist die Entscheidung nicht reif. Wenn du es kannst, setz einen Termin in den Kalender, innerhalb von 14 Tagen.
Woran du es erkennst. Die Zahlen sind noch in Ordnung, aber die Energie ist weg. Meetings sind still. Leute liefern, was verlangt wird, und keinen Millimeter mehr. Eine Schlüsselperson hat gekündigt, und im Exit-Gespräch hörst du Dinge, die du vorher hättest hören müssen.
Aus meiner Erfahrung: Schlüsselpersonen wissen oft Monate vor der Kündigung, dass sie gehen. Gefragt wurden sie in dieser Zeit dreimal kurz, wie es geht. Dreimal kam „gut". Eine ehrliche Frage pro Quartal ersetzt fünf Exit-Interviews.
Was Coaching tut. Es hilft dir, deinen Anteil vom Anteil des Systems zu unterscheiden. Häufig ist der Motivationsverlust die Antwort auf ein Verhalten der Führung: unklare Prioritäten, ausbleibende Entscheidungen, Lob für die Falschen. Das sieht man selbst schlecht. Im Coaching sieht man es.
Was du selbst tun kannst. Stell in den nächsten Einzelgesprächen eine andere Frage: „Was hast du in den letzten drei Monaten für dich behalten, weil es nicht der Moment war?" Und dann sag nichts. Hör zu.
Woran du es erkennst. Liquidität wird zum Wochenthema. Der Gesellschafter ruft öfter an. Du triffst Entscheidungen, die du vor einem Jahr für undenkbar gehalten hättest, und du triffst sie schnell hintereinander. Nachts rechnest du.
Was Coaching tut. In der Krise brauchst du niemanden, der dich beruhigt. Du brauchst jemanden, der mit dir sortiert: Was ist dringend, was ist wichtig, was ist nur laut? Und der prüft, ob du noch entscheidest oder nur noch reagierst. Ich habe als Geschäftsführer einen Turnaround geführt und weiß, wie eng der Blick in dieser Phase wird. Was in den ersten 90 Tagen zählt, steht hier.
Manchmal reicht Coaching in der Krise nicht. Wenn die operative Kapazität fehlt und nicht die Klarheit, ist Interim Management das passende Format. Ein Coach hilft dir zu erkennen, welches von beiden du brauchst.
Was du selbst tun kannst. Schreib die drei größten Hebel auf. Nicht zehn, drei. Alles andere kommt auf eine Liste für später. Dann sag deinem Team, was diese drei sind.
Woran du es erkennst. Du hast niemanden, mit dem du ungefiltert sprechen kannst. Deine Führungskräfte hängen von dir ab, dein Gesellschafter bewertet dich, deine Familie soll nicht alles tragen. Jedes Gespräch hat eine zweite Ebene. Du merkst, dass du Entscheidungen im Kopf endlos drehst, weil du sie nirgends aussprechen kannst.
Das ist kein persönliches Versagen. Die Harvard Business Review verweist auf eine Befragung von CEOs: Rund die Hälfte berichtet von Einsamkeit im Amt, bei neuen CEOs deutlich mehr. Die Mehrheit sagt, dass es ihre Leistung beeinträchtigt.
Was Coaching tut. Es ist der eine Ort, an dem nichts von dir abhängt und niemand etwas von dir will. Du sprichst aus, was du sonst nur denkst. Und du bekommst Widerspruch von jemandem, der deine Rolle kennt und nicht auf deiner Gehaltsliste steht.
Was du selbst tun kannst. Such dir einen Geschäftsführer aus einer anderen Branche und triff ihn einmal im Quartal. Ohne Agenda. Wenn das nicht reicht, ist das der Moment für einen Coach.
Drei Fragen, die du dir ehrlich beantworten kannst:
Ein Ja bei der ersten Frage oder ein Nein bei den anderen beiden: Dann lohnt sich das Gespräch. Wie das bei mir abläuft, steht unter Führungskräfte-Coaching.
Ein Coach ist kein Zeichen von Schwäche und kein Luxus für Konzerne. Er ist das Format für Situationen, in denen dein Umfeld dir strukturell nicht helfen kann. Prüf morgen die drei Fragen oben. Wenn einer der fünf Anlässe auf dich zutrifft, fang mit dem Schritt an, den du selbst tun kannst. Der zeigt dir schnell, ob du weiterkommst oder jemanden brauchst.
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